Ich mache keine Pläne mehr!

Wie sich der unerfüllte Kinderwunsch auf mein Leben ausgewirkt hat.

Und wie es mit Plänen häufig so ist, sind meine geplatzt. Einfach so. In einem Moment waren all diese Pläne da. Und nur einen kleinen Augenblick später: „Frau (damals noch) Gampert, leider muss ich Ihnen mitteilen, dass ihre Chancen auf natürlichem Wege schwanger zu werden, gleich null sind.“ plopp plopp plopp …

Wie jetzt?? Aber schwanger werden ist doch so leicht… Um genau zu sein, habe ich bis dahin alles mögliche getan, um das Schwangerwerden zu verhindern. Was sollte das denn nun bedeutet?

Es bedeutete, dass ich an primärer Sterilität leide. Mein linker Eileiter wurde entfernt und mein rechter Eileiter war nicht funktionsfähig. Mein Frauenarzt zu dem Zeitpunkt erklärte es mir ganz genau und sagte mir, dass ich unbedingt eine Kinderwunschklinik aufsuchen sollte, um mich beraten zu lassen. Er empfahl mir eine Klinik und unsere Kinderwunschreise begann.

Ich machte wieder Pläne. Noch bevor wir unseren ersten Termin hatten, war ich mir sicher, dass es gleich klappen würde. Wir würden nicht lange Patienten in der Klinik sein. Ich plante mein neues Leben, denn ich würde nun doch nicht ganz oben in der Führungsspitze sitzen, sondern Mama werden. Eine coole, liebevolle, lustige und fitte Mama.

Als die erste ICSI gleich erfolgreich war, freute ich mich, aber ich war nicht sonderlich überrascht. Genau so war es doch geplant. Ich musste mich noch zwei Wochen gedulden und dann würde ich mein Baby im Ultraschall sehen. An meinem 32. Geburtstag. Es sollte der schönsten Geburtstag aller Zeiten werden… so war zumindest der Plan.

Selbstverständlich wurde auch dieser Plan gestrichen. Um genau zu sein, wurde es der schlimmste Geburtstag meines Lebens. Die Gebärmutter war leer, eine Eileiterschwangerschaft stand im Raum und nach der Blutentnahme stand fest, dass mein HCG gesunken war. Ich war nicht mehr schwanger. Und nach dem Absetzen der Medikamente, hatte ich die schlimmsten Schmerzen, die man sich vorstellen kann. Aber ich versuchte es positiv zu sehen: ich konnte schwanger werden. Es würde sicher gleich wieder klappen. Also planten wir den zweiten Versuch. Und den dritten und vierten und fünften….. Bis 3,5 Jahre vergingen und ich keine Pläne mehr machte.

In der Zwischenzeit beschlossen wir, unser Leben so zu organisieren, dass keine Kinder im Plan inbegriffen waren. Natürlich machten wir mit unseren Versuchen weiter, aber ich machte mich selbstständig und wir zogen in unsere 3-Zimmer Wohnung. Wir reisten und waren glücklich, auch zu zweit. Wir führten Traditionen ein, die mit Kindern unmöglich wären. Das führte dazu, dass wir nicht aufgaben und nicht komplett frustrierten, denn unser Leben war zwar anders als geplant aber wir lernten es auch so zu mögen, wie es war.

Es vergingen vier Jahre bis ich die Geduld mit meinem Arzt verlor. Ich war bis dahin eine traumhafte Patientin. Ich tat alles was er sagte, ich vertraute ihm und seinem Urteil, ich stellte ihn und seine Handlungen nie in Frage und das wichtigste: wir bezahlten brav und pünktlich unsere Rechnungen.

Nach vier Jahren reichte es mir. Ich ließ die Zeit Revue passieren und stellte fest, dass ich diejenige war, die die Ideen in die Termine mit brachte. Ich war diejenige, die bestimmte Untersuchungen machen wollte. Ich war diejenige, die recherchierte, welche Ursachen es geben könnte und ich war auch diejenige, die immer up to date war. Ich wollte eine zweite Meinung, denn seit zwei Jahren wollte ich den zweiten Eileiter untersuchen lassen, was mein Arzt ablehnte. Ich hatte herausgefunden, dass, sollte sich der verbliebene Eileiter, ebenfalls mit Flüssigkeit füllen, diese Flüssigkeit eine Einnistung verhindert. Und hier kommt der entscheidende Punkt: mein Arzt zeigte mir jedes Mal im Ultraschall meinen Eileiter und erklärte mir, dass man keine Flüssigkeit sehen würde. Was er jedoch hätte wissen müssen ist, dass, damit man sie im Ultraschall sehen kann, so viel Flüssigkeit im Eileiter sein müsste, dass es richtig weh täte. Zum Verhindern der Einnistung reichen aber auch nur wenige Tropfen.

Nach langer Recherche fand ich einen Spezialisten in Bulgarien. Ich flog hin und seine Untersuchung sowie sein Urteil waren eindeutig: Es wurde zig Mal ein und das gleiche gemacht und es wurde keinerlei Versuch gestartet, herauszufinden, wo das Problem ist. Er machte alle Untersuchungen, die nötig waren an einem Tag!! Und er fand heraus, dass mein Eileiter so verklebt und verkalkt war und sich so mit Flüssigkeit füllte, dass es nahezu unmöglich wäre damit schwanger zu werden. Ich gab ihm meine Zustimmung und er entfernte den Eileiter. Er entließ mich mit den Worten: „Jetzt klappt es sofort! Versprochen!“

Wir kamen zurück nach Hamburg und suchten uns eine neue Klinik. Ich wurde gleich beim ersten Versuch schwanger, genau wie es mir der Arzt in Bulgarien versprochen hatte.

Und was ich aus allem gelernt habe: ich mache keine Pläne! Pläne haben mich so unglücklich gemacht, weil die Erwartungshaltung und die darauffolgende Enttäuschung so groß waren, dass es nur schief gehen konnte. Ich habe gelernt im Jetzt zu sein und Das Leben so zu nehmen wie es ist, und nicht wie es sein könnte. Das hat dazu geführt, dass ich das Glück nie aus den Augen verliere und in allem versuche das Beste zu sehen.

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